Was HR in jeder Phase der Elternzeit tun kann
Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2026
Dieser Beitrag entstand auf Basis des hey!TALK von heyGuide vom 15. Juni 2026 mit Karolin Gaßmann und Marielle Schäfer von den Beziehungsinvestor*innen. Wer lieber hört als liest: Die wichtigsten Erkenntnisse gibt es hier auch als kurze Audio-Zusammenfassung.
hey!TALK
Elternzeitplanung: Was HR damit zu tun hat
Alle wichtigen Erkenntnisse aus dem hey!TALK kompakt in 5 Minuten. Perfekt für unterwegs.
Tag eins nach der Schwangerschaftsmeldung. HR-Schreibtisch, kurzes Gespräch und dann der Satz, den werdende Mütter schon vorbereitet haben, bevor sie ins Büro kommen: „Ich komme aber schnell wieder.“ Nicht um zu informieren, sondern als Entschuldigung.
Dieser Moment zeigt mehr über die Unternehmenskultur als jede Richtlinie im Handbuch. Und er ist der Ausgangspunkt für alles, was danach kommt: ob jemand wirklich zurückkehrt, wie loyal diese Person zurückkommt und ob sie das Unternehmen weiterempfiehlt.
Inhalt:
Warum Elternzeitplanung eine Aufgabe der Personalentwicklung ist
18 Monate nach der Geburt kehrt nur jede dritte Mutter in ihre alte Position zurück (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung). Wenn Väter keine Elternzeit nehmen, unterbrechen 75 Prozent der Frauen ihre Erwerbstätigkeit für mindestens zwei Jahre. Zwei Jahre bedeuten in den meisten Jobs vollständige Neueinarbeitung (BiB).
Gleichzeitig weiß ein Großteil der Unternehmen nicht, wie oft die Elternzeit der eigentliche Grund für eine Kündigung ist. In Austrittsgesprächen wird der Zusammenhang selten hergestellt. Wer innerlich gekündigt hat und trotzdem bleibt, kostet ebenfalls.
450.000 Väter haben ihren Arbeitgeber laut Umfragen des BMFSFJ bereits für ein familienfreundlicheres Unternehmen verlassen. Das Argument „bei uns hat noch keiner deswegen gekündigt“ ist selten belegbar.
Elternzeit strukturiert zu begleiten ist kein Sozialleistungsprogramm. Es ist Mitarbeiterbindung.
Was vor der Elternzeit zählt: Rahmen setzen, bevor es losgeht
Die wirkungsvollste Maßnahme dieser Phase kostet nichts: einen erweiterten Kündigungsschutz für werdende Väter einführen, der bereits ab der Mitteilung der Schwangerschaft gilt. Gesetzlich greift dieser Schutz erst acht Wochen vor Elternzeitbeginn. Wer das unternehmensintern früher ansetzt, bekommt frühere Planbarkeit zurück. Väter, die wissen, dass ihre Stelle sicher ist, melden sich früher, und frühzeitige Meldung schafft Puffer für Übergaben, Vertretungen und Teamplanung.
Führungskräfte brauchen in dieser Phase Orientierung, keine PDF-Sammlung. Was löst eine Schwangerschaftsmeldung konkret aus? Wie führe ich das erste Gespräch? Elternzeit ist die planbarste Abwesenheit im Berufsleben, wenn HR und Führungskräfte frühzeitig vorbereitet sind.
Was bei der Schwangerschaftsmeldung einen Unterschied macht
Die Reaktion auf eine Schwangerschaftsmeldung prägt die Beziehung zum Unternehmen für Monate. Wer als erstes fragt „wie organisieren wir das jetzt?“, sendet ein klares Signal. Wer fragt „wie stellst du dir es vor?“, auch.
Viele werdende Mütter kommen ins Gespräch mit dem vorbereiteten Satz: „Ich komme schnell wieder.“ – jedoch nicht als Versprechen,viel mehr ist es eine Schutzreaktion. Wer stattdessen aktiv zuhört und Perspektiven bespricht, schafft vom ersten Tag an Vertrauen.
Konkrete Unterstützung in dieser Phase: ein kompakter Überblick zu rechtlichen Rahmenbedingungen, eine klare Übersicht der nächsten Schritte, und das Angebot, offen über Rückkehrperspektiven zu sprechen. Wer früh darüber redet, verhindert, dass sich in der Elternzeit Zweifel aufschichten, für die niemand Ansprechpartner ist.
Kontakt in der Elternzeit: das Richtige fragen, bevor es losgeht
Vor dem ersten Urlaubstag eine Frage klären, die häufig vergessen wird: Welchen Kontakt wünscht sich die Person während der Abwesenheit? Das ist nicht nur Wertschätzung, sondern auch datenschutzrechtlich der richtige Weg. Einverständnis einholen, private Kontaktdaten erfragen, und dann wirklich dranbleiben.
Zu Firmenveranstaltungen einladen, wenn das passt. Bonusbriefe nicht nur an aktiv Beschäftigte schicken. Wichtige Informationen auch an die private E-Mail. Und manchmal reicht eine Postkarte: ein Zeichen, dass jemand nicht vergessen wurde.
Kleine Gesten haben in dieser Phase unverhältnismäßig große Wirkung.
Drei Monate vor der Rückkehr: genau jetzt handeln
Wer wartet, bis sich jemand nach der Elternzeit von selbst zurückmeldet, verpasst die wichtigste Phase der Bindung. Drei Monate vor dem geplanten Ende aktiv Kontakt aufnehmen, den Wiedereinstieg gemeinsam planen, Rahmenbedingungen besprechen.
Das verhindert, dass jemand am ersten Tag auftaucht und das Team genauso überrascht wirkt wie bei einer neuen Kollegin. Und es schafft Raum für echte Gespräche über Stundenmodelle, veränderte Wünsche oder auch Betreuungssituationen.
Wichtig dabei: Teilzeitmöglichkeiten aktiv ansprechen, auch gegenüber Vätern. Viele wissen nicht, dass auch sie einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit während der Elternzeit haben, zwischen 15 und 32 Stunden. Wer das kommuniziert, verändert Entscheidungen.
Ein Eltern-Zertifikat zum Wiedereinstieg würdigt, was jemand in dieser Zeit geleistet und gelernt hat: Prioritätensetzung, Belastbarkeit, Führung unter Druck. Das sichtbar zu machen ist mehr als eine nette Geste.
Fazit
HR hat in jeder Phase der Elternzeit Hebel, die oft unterschätzt werden. Die wirkungsvollsten sind nicht die aufwendigsten. Sie brauchen Aufmerksamkeit, etwas Struktur und die Bereitschaft, das Thema proaktiv zu behandeln.
Wo eigenes Wissen nicht reicht, lohnt es sich, Expertinnen einzubinden. heyGuide begleitet Unternehmen über den gesamten Zeitraum, von der Schwangerschaft über die Elternzeit bis ein Jahr nach dem Wiedereinstieg, mit zeitgesteuerten Impulsen für Eltern und Führungskräfte gleichzeitig.
Unternehmen, die Elternzeit gut begleiten, binden Menschen. Und ziehen neue an.
Hier mehr erfahren, wie heyGuide HR-Teams unterstützt oder einen Termin vereinbaren und personalisiert beraten werden.
Du willst beim nächsten hey!TALK dabei sein?
Meld dich für den heyGuide Newsletter an und du bekommst Einladungen zu unseren nächsten Formaten direkt in dein Postfach.
Teile diesen Beitrag gern mit anderen:
Weitere Posts
Ruhendes Arbeitsverhältnis: Wie du deine Mitarbeitenden gut durch die Elternzeit begleitest
Mutterschutz & Elternzeit – Was ist erlaubt? Welche Regelungen gelten? Wir geben dir einen klaren Überblick und erklären das "ruhende Arbeitsverhältnis".
Jetzt lesenIn einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt gewinnt das Thema Familienfreundlichkeit im Unternehmen zunehmend an Bedeutung.
Jetzt lesenDiversity unter Druck – Was US-Entwicklungen für deutsche Unternehmen bedeuten
In den USA zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab: Diversity gerät unter politischen Druck – mit möglichen Auswirkungen über die US-Grenzen...
Jetzt lesen